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Judith Egger: Großer ungeordneter Aufmarsch der Holobionten

25. Juli um 11:00 - 14:00
Uraufführung
Credits des Fotografen:in: Judith Egger
Weiterverarbeitung des bildes: ja

Großer ungeordneter Aufmarsch der Holobionten*
Sammlungspunkt am Samstag, 25. Juli 2026, um 11 Uhr am Vater-Rhein-Brunnen auf der Insel gegenüber vom Deutschen Museum, München.
Ein Projekt von Judith Egger im Rahmen der PUBLIC ARTS Annuale Exkursionen / Innenstadt München

Die „United Holobiontic Protection Alliance“ demonstriert am 25. Juli 2026 mit einem kollektiven Aufmarsch für die Gleichberechtigung aller menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen und feiert die städtischen Grünflächen. BEGINN ist um 11 Uhr am Vater-Rhein-Brunnen in München. Der Marsch wir ca 3 Stunden dauern, beinhaltet eine Auftaktkundgebung und zwei Zwischenstopps mit Tanzeinlagen, Manifesten und Segnung der Grünflächen. Das Ganze endet mit einem holobiontischen Picknick am Maximiliansplatz.

Falls Du Mitglied in der „United Holobiontic Protection Alliance“ werden, am Aufmarsch teilnehmen oder einfach mehr Informationen über das Projekt bekommen möchtest, schreib an info@judithegger.com.

Die Marschroute:
Start am Vater-Rhein-Brunnen um 11 Uhr, dann über den Wehrsteig und Praterinsel auf die Maximiliansstraße. Segnung der Grünflächen mit Isarwasser. Vorbei am Hotel Vier Jahreszeiten und rechts abbiegen in die Marstallstraße. Auf der Wittelsbacher Wiese hinter dem Marstall kurzer Zwischenstopp mit lautloser Tanzeinlage (die Holobionten haben versprochen leise zu sein, da im Marstall geprobt wird!). Weiter zum zweiten Zwischenstopp an der Skulptur „Harmlos“ beim Hofgarten. Hier Tanz und Gesang, Segnung, Getränke.
Über die Galeriestraße und Briennerstraße dann zum Ziel auf dem Maximiliansplatz. Hier gibt es die Abschlußkundgebung und das holobiontische Picknick.

*“Holobiont“ ist ein Konzept aus der Biologie, das sich auf eine Gemeinschaft von Organismen bezieht, die in einer Symbiose miteinander leben und als eine einzige funktionelle Einheit betrachtet werden, als eine Art Ökosystem oder Metaorganismus. Die Eigenschaften eines Holobionten sind instabil; es gibt jedoch einen fortwährenden transformativen Dialog zwischen allen darin verbundenen Organismen. Der Mensch selbst ist ein klassisches Beispiel eines Holobionten. Er lebt in enger Verbindung mit seinem Mikrobiom. Auch Tiere, Pflanzen, ja sogar die Erde ist ein einziger großer Holobiont, in dem der Mensch nur eine bescheidene Rolle spielt.

„Ich plädiere für eine neue Beziehung mit allem Lebendigen, welche nicht von Dominanz, Trennung und Unterwerfung geprägt ist, sondern vom Wissen über die gegenseitige Abhängigkeit und tiefe Verbundenheit. Für den Marsch der Holobionten träume ich von einer großen Menge von Holobionten und deren Freund:innen, die durch den Stadtraum laufen. Mit ihrem Marsch verbinden sie einzelne wichtige Grünflächen der Innenstadt und machen so auf die wichtige Rolle von Pflanzen, Natur und ökologischer Diversität im Stadtraum aufmerksam.“ Judith Egger

Hintergrund
Im April 2025 gründete sich die globale Graswurzelbewegung „United Holobiontic Protection Alliance“ (UHPA). Dabei schlüpfte Judith Egger in das Kostüm einer Küchenschabe, die anderen 3 Holobionten* der Gruppe bestanden dabei hauptsächlich aus organischem Material. Jeder dieser Holobionten steht für einen Metaorganismus, der viele kleinere Organismen beherbergt. Er ist ein wichtiger Teil des „Netz des Lebens“ das uns alle trägt. Die meisten Holobionten sprechen für Menschen unhörbare Sprachen, daher hat die Küchenschabe sich zu Verfügung gestellt, für sie zu sprechen und sich für Ihre Interessen und Rechte einzusetzen. Beim ersten Manifest der United Holobiontic Protection Alliance, das sie in einer universellen Lautsprache an das Publikum herantrug, handelte es sich um einen dringenden Aufruf, die Interessen und Rechte der Holobionten zu respektieren und das fragile Gleichgewicht des Lebens auf der Erde zu schützen. Die UHPA plädiert für eine neue Beziehung mit allem Lebendigen, welche nicht von Dominanz, Trennung und Unterwerfung geprägt ist, sondern vom Wissen über die gegenseitige Abhängigkeit und tiefe Verbundenheit.

Um die Dringlichkeit dieses Anliegens zu unterstreichen, wird eine größere Ansammlung von Holobionten und deren Sympathisant:innen im Sommer 2026 mehrere wichtige Grünflächen in der Münchner Innenstadt ansteuern und durch Interventionen beleben. Die Parade besteht aus ca. 25 Ganzkörperkostümen (Naturmaterialien wie Heu, Gras, Stroh), 15 Teilkostümen sowie 5 rollbaren Skulpturen plus 1 Festwagen. Jeder dieser Holobionten steht für einen Metaorganismus, der viele kleinere Organismen beherbergt. Der Marsch verbindet wichtige Grünflächen der Innenstadt und macht auf die zentrale Rolle von Pflanzen, Natur und ökologischer Diversität im Stadtraum aufmerksam.
Der Aufmarsch der Holobionten adressiert somit den großen Wert dieser Freiräume, indem er sie abschreitet, würdigt und durch künstlerische Handlungen und neue Rituale (Tanz, Musik, Gesang, Versprengen von Wasser, holobiontische Anrufungen) aktiviert. Damit drücken die Holobionten eine liebevolle Fürsorge aus und setzen die Intention, die grünen Flächen zu schützen und zu bewahren.

Der Marsch soll keine politische Handlungsanweisung sein, keine Infoveranstaltung, um eine grüne Stadt zu bewerben oder den moralischen Zeigefinger zu erheben. Er soll auf eine mystische, non-verbale, anarchische, ernste und zugleich humorvolle Weise aufrütteln und neugierig machen. Natürlich kann man sich fragen, ob das Projekt in Angesicht der aktuellen Massenproteste, Unruhen und Demonstrationen und der tief gehenden gesellschaftlichen Spaltung in vielen Ländern unangebracht ist – aber das Anliegen der Holobionten hat in der derzeitigen politischen Diskussion und Spannungslage wenig Fürsprecher:innen. Themen rund um Klimawandel, Biodiversität, Artensterben scheinen – zumindest in Deutschland – auf der Agenda weit nach hinten gerutscht zu sein. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es genau diese Themen sind, die Priorität vor allen anderen haben – in unserem eigenen Interesse.

Parade im Rahmen von PUBLIC ART MÜNCHEN. Gefördert vom Kulturreferat der LH München.
Mehr zu Judith Egger:
www.judithegger.de

Wir Menschen sind keine isolierten Punkte, sondern Knoten in einem weltumspannenden Netz. Diese Einsicht gilt es zu verstehen, zu verkörpern und in die Politik zu tragen. «Politik muss die Form von Kunst annehmen, von einem Experiment. Sie muss über den Protest gegen die Macht hinausgehen und muss Dinge erschaffen.» (…) Wir brauchen Dinge, die uns berühren, wie Kunst, Musik, Festivals, soziale Aktionen, aber auch «Karneval», wie Akomolafe mit einem Lächeln sagt. Nicht zufällig wählt er den Karneval, der alle Hierarchien auflöst, die Welt auf den Kopf stellt und ein kreatives Spiel der Identitäten zulässt.
Zitat aus dem Text zum Interview mit der Philosophen Bayo Akomolafe: „Wenn die Zeit drängt, hilft es, zu entschleunigen“ Aus Sternstunde Philosophie vom 10.03.2024

Veranstaltungsort

Innenstadt München
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