Liebes Publikum,
Ich behaupte: Trauer ist queer. Sie entzieht sich festen Formen, widersetzt sich linearen Abläufen und lässt sich nicht eindeutig benennen. Es gibt keine Norm für Trauer, keinen festen Zeitrahmen, keine universelle Sprache. Trauer ist eine Kraft, die sich in Freiheit ausdrücken möchte. Sie kann unsichtbar sein, aber möchte gesehen und als wahr anerkannt werden.
Wann hast du das letzte Mal getrauert? War es um einen Menschen oder ein Tier? Um einen Ort, eine Beziehung, eine verpasste Chance? Vielleicht um den Verlust von etwas, das nicht fassbar war? Diese Fragen sollen keinen Schmerz aufreißen, sondern Sie sind eine Einladung, der Trauer zu begegnen, die vielleicht in uns verborgen liegt.
Ich habe in meinem Leben oft getrauert. Um meinen verstorbenen Vater. Einen Freund. Großeltern. Haustiere. Aber auch um Dinge, bei denen niemand gestorben ist. Verluste, die niemand sonst sehen konnte. Lange lebte meine Trauer in mir wie ein ungebetener Gast, ein Gewicht in meiner Brust – wie komprimierte Energie, die keinen Weg nach außen fand.
Meine zweite Arbeit, Mariannes erstes Mal am Meer entsteht aus meiner persönlichen, fortlaufenden Auseinandersetzung mit Trauer – und aus der Erkenntnis, dass Trauer nicht nur eine Reaktion auf den Tod ist, sondern ein essenzieller Teil von Veränderung. Die Gewalt gegen trans Menschen steigt und unsere Ausdrucksfreiheit wird angegriffen. Das beschäftigt mich sehr und ich möchte dem etwas entgegensetzen. Der Abend ist der Erinnerung an einen geliebten Menschen gewidmet. Mit Mariannes erstes Mal am Meer, möchten wir nicht Schmerz illustrieren, sondern Trauer Raum geben, sich zu artikulieren und zu verwandeln.
Kommt vorbei, wir freuen uns auf Euch!
Paul Marianne Furtwängler & Team
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Dear audience,
I maintain that grief is queer. It defies fixed forms, resists linear processes and cannot be clearly defined. There is no norm for grief, no set timeframe, no universal language. Grief is a force that seeks to express itself freely. It may be invisible, but it wants to be seen and recognised as real.
When was the last time you grieved? Was it for a person or an animal? For a place, a relationship, a missed opportunity? Perhaps for the loss of something intangible? These questions are not meant to reopen old wounds, but rather to invite you to confront the grief that may lie hidden within us.
I have grieved often in my life. For my father who passed away. A friend. Grandparents. Pets. But also for things where no one died. Losses that no one else could see. For a long time, my grief lived within me like an uninvited guest, a weight in my chest – like compressed energy that found no way out.
My second piece, Mariannes erstes Mal am Meer, emerged from my personal, ongoing engagement with grief – and from the realisation that grief is not merely a reaction to death, but an essential part of change. Violence against trans people is on the rise and our freedom of expression is under attack. This is something that concerns me deeply, and I want to do something to counteract it. The evening is dedicated to the memory of a loved one. With Mariannes erstes Mal am Meer, we do not wish to illustrate pain, but rather to give grief space to express itself and transform.
Come along, we look forward to seeing you!
Paul Marianne Furtwängler & Team